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Berlin, 19. April 2010 228/10

Mitteilung für die Presse

Beschluss des SPD-Parteivorstandes für eine bessere

Unterstützung für Alleinerziehende

Der Parteivorstand der SPD hat am 19. April 2010 folgenden Beschluss gefasst:

Alleinerziehende – LeistungsträgerInnen unserer Gesellschaft

Vorschläge für konkrete Schritte zur besseren Unterstützung von Ein-Eltern-Familien

Familie ist dort, wo Menschen dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen. Keine

andere Familienform hat in den letzten Jahrzehnten in unserer Gesellschaft so an

Bedeutung gewonnen wie die Ein-Elternteil-Familie. Der Anteil der Alleinerziehenden unter

den Familien hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt. Die 1,6 Millionen

Alleinerziehenden in Deutschland machen fast ein Fünftel aller Familien aus, in

Ostdeutschland beträgt ihr Anteil sogar mehr als ein Viertel. 2,2 Millionen Kinder und

Jugendliche unter 18 Jahre leben in Alleinerziehenden-Haushalten – in der

überwiegenden Mehrheit bei ihren Müttern: 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen.

Alleinerziehende sind in besonderer Weise auf die Unterstützung von Staat und

Gesellschaft angewiesen. Alle Probleme – ob es um die Diskriminierung von Frauen am

Arbeitsmarkt oder um die mangelhafte Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht – spitzen

sich bei Alleinerziehenden besonders zu.

Trotzdem wäre es verfehlt, Alleinerziehende und ihre Kinder als soziale Problemgruppe

wahrzunehmen. Alleinerziehende leisten täglich mehr als andere, um ihren Alltag zu

organisieren. Sie sind Leistungsträgerinnen und Leistungsträger unserer Gesellschaft.

Ihnen optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, ist eine zentrale gesellschaftspolitische

Aufgabe.

Die SPD hat in den letzten Jahren bereits viele Verbesserungen auch für Alleinerziehende

durchsetzen können. Trotzdem besteht weiterhin Handlungsbedarf. Alleinerziehende

müssen noch stärker in den Fokus guter und moderner Gesellschafts- und Familienpolitik

rücken. Daher wollen wir alleinerziehenden Eltern mit gezielten Maßnahmen helfen.

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Was sich Alleinerziehende wünschen

Die Lebenslagen von Alleinerziehenden sind vielfältig. Es gibt nicht die Alleinerziehende

oder den Alleinerziehenden. Die Gruppe der Alleinerziehenden ist alles andere als

homogen.

So vielfältig die Lebenslagen von Alleinerziehenden und ihrer Kinder sind, so vielfältig sind

ihre Bedürfnisse und Wünsche. Politik für Alleinerziehende kann dem nur durch einen

umfassenden Ansatz gerecht werden, der verschiedene Handlungsfelder miteinander

verknüpft – Kinderbetreuung, Arbeitsvermittlung, gute Arbeit, Bildung und Qualifizierung,

gezielte finanzielle Unterstützung. Politik für Alleinerziehende ist Querschnittspolitik, die an

verschiedenen Punkten ansetzen muss. Gerade Alleinerziehende brauchen einen

passenden Mix aus zeitlicher Flexibilität, finanzieller Unterstützung und bedarfsgerechter

Infrastruktur.

Wer die Situation von Alleinerziehenden verbessern möchte, muss ihre Wünsche und

Bedürfnisse ernst nehmen:

· Alleinerziehende wünschen sich eine Gesellschaft, die ihre besonderen Leistungen

anerkennt und würdigt und ihnen ein Leben ohne Stigmatisierung und Benachteiligung

ermöglicht.

· Sie wünschen sich gute Arbeit zu existenzsichernden Löhnen und ohne

Benachteiligung.

· Sie wünschen sich gute Bildungs- und Betreuungsangebote, die ihren Kindern gleiche

und gute Lebensperspektiven sichert und ihnen die zeitliche Flexibilität vor allem für

eigene Erwerbstätigkeit gibt.

· Sie wünschen sich Zugang zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die ihrer

besonderen Situation gerecht werden.

· Sie wünschen sich gute Angebote und soziale Netzwerke vor Ort, die ihnen Hilfen und

Unterstützung bei der Bewältigung ihres Alltags, bei der Erziehung ihrer Kinder und

bei ihrer eigenen Qualifizierung und ihrem beruflichen (Wieder-)Einstieg geben.

· Sie wünschen sich einen leichteren Wiedereinstieg in den Beruf nach längeren

Erziehungspausen – durch arbeitsrechtliche Ansprüche, eine spezialisierte

Arbeitsvermittlung und Hilfen zur Schließung von eventuellen Qualifizierungslücken.

· Sie wünschen sich Zeit für Kinder, Zeit für den Job – und ab und zu auch Zeit für sich

selbst.

· Sie wünschen sich Arbeitgeber, die ihre Lebenssituation nicht als Nachteil sehen,

sondern ihre besondere Alltagsleistung als Gewinn für das Unternehmen betrachten

und Familienfreundlichkeit (von der flexiblen Arbeitszeitgestaltung bis zur

Kinderbetreuung) als unternehmerischen Vorteil und echte Win-Win-Situation im

zunehmenden Fachkräftewettbewerb sehen.

· Sie wünschen sich eine materielle Grundsicherung, die ihnen ein Leben frei von

existenziellen Sorgen ermöglicht.

· Sie wünschen sich einen Staat, der sie gegenüber Ehe-Familien nicht benachteiligt

und dem alle Kinder gleich viel wert sind, unabhängig vom Einkommen oder vom

Familienstand der Eltern.

Der Weg zur vollständigen Erfüllung dieser berechtigten Wünsche ist weit. Er erfordert ein

Umdenken in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie alle sollten sich die Wünsche von

Alleinerziehenden zum gesellschaftspolitischen Ziel setzen.

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Um diesen Weg weiter zu beschreiten und der Erfüllung der Bedürfnisse und Wünsche

von Alleinerziehenden näher zu kommen, schlagen wir nachfolgende konkrete Schritte

vor, die bereits kurzfristig realisierbar wären.

Vorschläge für konkrete Schritte zur besseren Unterstützung von Alleinerziehenden

Handlungsfeld „Betreuung und Infrastruktur“

1. Rechtsanspruch auf ganztägige Kinderbetreuung für Alleinerziehende ab 2013

Ein bedarfsdeckendes Angebot an Kinderbetreuungsplätzen und Ganztagsschulen

ist die entscheidende Voraussetzung für die Sicherung des Lebensunterhalts durch

eigene Erwerbstätigkeit. Die SPD fordert schon seit längerem, den Rechtsanspruch

auf Kinderbetreuung auf ganztägige Betreuung zu erweitern, die vorschulischen

Betreuungseinrichtungen schrittweise beitragsfrei zu stellen und die

Ganztagsschulangebote flächendeckend und bedarfsgerecht auszubauen.

Für Alleinerziehende wollen wir in einem ersten Schritt bereits kurzfristig konkrete

Verbesserungen erreichen.

Deshalb fordern wir:

· einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für ein- bis sechsjährige Kinder

sowie auf Nachmittagsbetreuung für Kinder im schulpflichtigen Alter für

Alleinerziehende spätestens ab 2013. Zur Finanzierung fordern wir die

Bundesregierung auf, das geplante „Betreuungsgeld“ nicht einzuführen und die

dafür vorgesehenen Mittel von bis zu 2 Mrd. Euro jährlich in den Ausbau der

Kinderbetreuung zu investieren;

· den Ausbau echter Ganztagsschulen konsequent fortzusetzen und darüber hinaus

insbesondere für Alleinerziehende Möglichkeiten der Ferienbetreuung

sicherzustellen

· flexiblere Möglichkeiten zur Inanspruchnahme von Kinderbetreuungsangeboten

auch außerhalb der regulären Betreuungszeiten (abends oder am

Wochenende), um die Vereinbarkeit der Kindererziehung auch mit atypischen

Arbeitszeiten (Schicht-, Nacht-, Wochenendarbeit) bzw. entsprechende

Unterstützung in Ausnahmesituationen zu gewährleisten;

· konsequente Schritte zur vollständigen Beitragsfreiheit der Kinderbetreuung als

umfassende Entlastung auch von Alleinerziehenden.

Zur Umsetzung fordern wir die Bundesregierung auf, Gespräche mit Ländern und

Kommunen zum weiteren Ausbau der Kinderbetreuungsangebote aufzunehmen und

verbindliche Angebote für substanzielle Finanzierungsbeiträge des Bundes zu

unterbreiten. Zusätzliche Belastungen für die Kommunen sind zu vermeiden.

Konkret fordern wir die von der Bundesregierung für das unsinnige „Betreuungsgeld“

vorgesehenen Mitteln stattdessen für den Ausbau der Kinderbetreuung einzusetzen.

Darüber hinaus muss ein signifikanter Anteil der vom Bund zusätzlich in Aussicht

gestellten Bildungsausgaben in den Ausbau der vorschulischen und

ganztagsschulischen Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur investiert werden.

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Handlungsfeld „Arbeitsvermittlung und gute Arbeit“

2. Spezialisiertes Fallmanagement für Alleinerziehende und Eltern-Kind-Zentren

vor Ort

Alleinerziehende haben oft besondere Hürden zu überwinden, um Arbeit zu finden.

Neben einer ausreichenden Zahl an Betreuungsplätzen und einem

Mentalitätswandel bei vielen Arbeitgebern sind Alleinerziehende vor allem auch auf

eine spezialisierte Arbeitsberatung und -vermittlung angewiesen, die auf ihre

spezifischen, individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist, eng mit anderen

Angeboten und Institutionen vor Ort zusammenarbeitet und auch die Vermittlung

einer verlässlichen Kinderbetreuung umfasst.

Deshalb fordern wir:

· eine spezialisierte Betreuung von Alleinerziehenden durch entsprechend geschulte

Fallmanagerinnen und Fallmanager in den Arbeitsagenturen, die sich an der

individuellen Lebenssituation und den jeweiligen Bedürfnissen der

Alleinerziehenden orientieren und besser mit Betreuungseinrichtungen, den

Trägern der Kinder- und Jugendhilfe sowie anderen Hilfesystemen

zusammenarbeiten, sodass alle Angebote vor Ort lückenlos und wirksam

ineinander greifen;

· eine deutliche Verbesserung der Betreuungsrelation zwischen Fallmanagerinnen

und Fallmanagern einerseits und betreuten Alleinerziehenden andererseits, um

mehr zeitliche Ressourcen für eine intensivere Beratung und Betreuung

sicherzustellen. Dazu ist eine Aufstockung des Personals in den Jobcentern und

Arbeitsagenturen notwendig;

· dass mit jedem Arbeits- oder Qualifizierungsangebot ein passendes,

bedarfsgerechtes Angebot zur Kinderbetreuung verbunden wird;

· den Ausbau von Kindertagesstätten zu Eltern-Kind-Zentren – als Regelangebot an

jedem Ort. Diese Einrichtungen bieten neben einer qualitativen Kinderbetreuung

umfassende Hilfen und niedrigschwellige Beratungsangebote „aus einer Hand“.

Davon profitieren gerade auch Alleinerziehende, denen eine passgenaue und

wirkungsvolle Unterstützung zur Verfügung gestellt wird.

3. Existenzsichernde Löhne

Erwerbstätige Alleinerziehende stehen häufig alleine in der Verantwortung, ein

Existenz sicherndes Einkommen für sich und ihre Kinder zu erzielen.

Existenzsichernde Löhne sind daher gerade für Alleinerziehende besonders wichtig.

Faire Löhne bedeuten außerdem bessere Chancen auf eine existenzsichernde

Alterssicherung.

Da 90 Prozent der Alleinerziehenden Frauen sind, sind sie häufig auch von den

immer noch bestehenden Geschlechterungerechtigkeiten im Erwerbsleben betroffen,

insbesondere von der fehlenden Entgeltgleichheit. Noch immer verdienen Frauen im

Schnitt 23 Prozent weniger als Männer.

Deshalb fordern wir:

· gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit durch verbindliche gesetzliche

Regelungen;

· einen flächendeckenden, allgemeinen, gesetzlichen Mindestlohn und vereinfachte

Möglichkeiten, Tarifverträge allgemeinverbindlich werden zu lassen.

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4. Zeit für Kinder – Flexibilität im Job

Alleinerziehende dürfen nicht in die Mühlen zwischen Anforderungen des

Arbeitgebers und Bedürfnissen ihrer Kinder geraten. Zeitflexibilität im Beruf hat für

sie eine größere Bedeutung als für andere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Zu

echter Flexibilität gehören nicht nur entsprechende Teilzeitansprüche, sondern auch

echte Wiederaufstockungsrechte, damit die Teilzeit nicht zur Falle wird.

Deshalb fordern wir:

· einen Rechtsanspruch auf Wiederaufstockung nach Reduktion der Arbeitszeit

wegen Kinderbetreuung;

· die Absenkung bestehender Schwellen zur flexibleren Inanspruchnahme von

Teilzeitansprüchen auch in kleineren Betrieben und Unternehmen;

·Maßnahmen zur wirksamen Durchsetzung des im Teilzeit- und Befristungsgesetz

verankerten Diskriminierungsverbots, insbesondere auch um Lohngleichheit für

Beschäftigte in Teilzeit sicherzustellen;

· sicherzustellen, dass die zeitlichen Bedürfnisse von Teilzeitbeschäftigten bei der

Gestaltung von betrieblichen Qualifizierungsmaßnahmen berücksichtigt werden

und die Teilnahme an Fort- und Weiterbildung auch Teilzeitbeschäftigten

uneingeschränkt offen steht.

Klar ist aber auch: Wir können nicht alles per Gesetz regeln. Wir brauchen auch

einen Bewusstseinswandel in der Arbeitswelt.

Handlungsfeld „Bildung und Qualifizierung“

5. Teilzeit-Ausbildung und nachholende Qualifizierung

Mehr als ein Viertel der Alleinerziehenden und über die Hälfte der alleinerziehenden

Arbeitslosen haben keinen beruflichen Abschluss. Bei jungen Müttern unter 25

Jahren beträgt der Anteil ohne Berufsabschluss sogar bis zu 70 Prozent. Mit

fehlender Qualifikation erhöht sich das Risiko von Armut und

Langzeitarbeitslosigkeit.

Gering qualifizierte Alleinerziehende brauchen gute Bildungs- und

Qualifizierungsangebote, die auf ihre Lebenswirklichkeit zugeschnitten sind. Dazu

gehören auch Ausbildungsangebote in Teilzeitform sowie finanzielle Sicherheiten

während der Ausbildung.

Deshalb fordern wir:

·mehr Ausbildungsangebote in Teilzeitform für Mütter und Väter, die Kinder

betreuen und keine Ausbildung haben. Hierzu wollen wir geeignete

Anreizmodelle für Betriebe entwickeln und geeignete Instrumente zur Sicherung

des Lebensunterhalts bei Teilzeitausbildung prüfen und entwickeln. Für junge

Eltern, die innerhalb der ersten drei Jahre nach der Schule keinen

Ausbildungsplatz gefunden haben, wollen wir einen Rechtsanspruch auf eine

Teilzeitausbildung durch staatliche Förderung einführen. Auch für Eltern, die

sich bereits in Ausbildung befinden, müssen Möglichkeiten geschaffen werden,

die Ausbildung in Teilzeit fort zu setzen.

· ein Angebot zur Anpassungsqualifizierung für das aktuelle Niveau der beruflichen

Ausbildung, wenn sich das Berufsbild des erlernten Berufes verändert hat;

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· einen Rechtsanspruch auf eine kostenlose Überprüfung des individuellen

Qualifizierungsbedarfs, die wohnortnah durch die Agentur für Arbeit in

Zusammenarbeit mit regionalen Weiterbildungsnetzwerken angeboten wird;

· einen Rechtsanspruch auf das geförderte Nachholen eines Schulabschlusses, was

im Falle von Kindererziehung auch in Teilzeitform möglich sein muss;

· die Weiterentwicklung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG),

sodass die Ausbildungsförderung den Bedürfnissen Alleinerziehender besser

gerecht wird und auch die Möglichkeit des Teilzeitstudiums zulässt. Neben der

grundsätzlichen Öffnung des BAföG für die Förderfähigkeit des Teilzeitstudiums

gehören dazu auch die Anhebung der förderrechtlichen Altersgrenze sowie eine

deutliche Anhebung des Kinderbetreuungszuschlags. Außerdem wollen wir die

Ausbildungsförderung für Schülerinnen und Schüler aus

einkommensschwachen Familien ausweiten;

· ein Investitionsprogramm zum Ausbau der Kinderbetreuung an Hochschulen,

wovon sowohl alleinerziehende Studierende als auch alleinerziehende

Beschäftigte der Hochschulen besonders profitieren würden.

Handlungsfeld „gezielte finanzielle Unterstützung“

6. Weiterentwicklung des Kinderzuschlags

Der Kinderzuschlag ist eine zielgenaue Maßnahme für Geringverdienende. Er dient

dazu, dass Kinder von Eltern mit geringem Erwerbseinkommen nicht in die

Bedürftigkeit abrutschen. Unser Ziel ist es, den Kinderzuschlag so

weiterzuentwickeln und auszuweiten, dass deutlich mehr Kinder zusätzlich aus der

Armutsfalle geholt und insbesondere auch Alleinerziehende besser erreicht werden.

Deshalb fordern wir:

· die Absenkung der Mindesteinkommensgrenze und den Verzicht auf die

Höchsteinkommensgrenze: Damit würde der Kinderzuschlag nach unten und

oben weiter geöffnet. Die Öffnung nach unten hilft Familien, die bisher in

sogenannter verdeckter Armut leben. Mit der Öffnung nach oben wird ein

lineares Auslaufen der Förderung gewährleistet und ein abrupter Abbruch der

Förderung vermieden;

· die Reduzierung der Anrechnungsquote von Nichterwerbseinkommen (z.B.

Kindesunterhalt), die Einführung einer Altersstaffelung und die Verbesserung

des Wahlrechts zwischen Kinderzuschlag/Wohngeld einerseits und

Grundsicherung andererseits.

· die jährliche Fortschreibung des Kinderzuschlags nach Maßgabe der Entwicklung

der Regelsätze;

7. Weiterentwicklung des Unterhaltsvorschusses

Der Unterhaltsvorschuss unterstützt Alleinerziehende, wenn Unterhaltszahlungen für

das Kind vom anderen Elternteil ausbleiben. Derzeit wird der Unterhaltsvorschuss

für maximal sechs Jahre und höchstens bis zum 12. Geburtstag des Kindes

geleistet. Wir wollen die Situation von Alleinerziehenden und ihren Kindern dadurch

verbessern, dass wir diese Voraussetzungen für den Unterhaltsvorschuss flexibler

gestalten.

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Deshalb fordern wir:

· eine Weiterentwicklung des Unterhaltsvorschusses, bei der die maximale

Bezugsdauer verlängert und die Altersgrenze von derzeit 12 Jahren angehoben

wird;

·Maßnahmen zur effektiveren Durchsetzung von Unterhaltsansprüchen sowie zur

wirksameren Rückforderung von Unterhaltsvorschussleistungen aufgrund

ausgebliebener Unterhaltszahlungen, auch um zusätzliche Belastungen für die

Kommunen zu vermeiden.

8. Weiterentwicklung der Familienförderung

Wir wollen das System der Familienförderung weiterentwickeln und konsequent an

dem Prinzip ausrichten, dass dem Staat jedes Kind gleich viel wert ist. Außerdem

wollen wir das Einkommensteuerrecht geschlechtergerecht weiterentwickeln.

Deshalb fordern wir:

· die Umstellung der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Kinderbetreuungskosten auf

einen Abzug von der Steuerschuld, damit auch Alleinerziehende, die nur geringe

Steuern zahlen, stärker von der Förderung profitieren. Unabhängig davon bleibt

die vollständige Gebührenfreiheit der Kinderbetreuung unser Ziel;

· die Unterstützung von Familien mit niedrigem Einkommen, haushaltsnahe

Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können.

Alleinerziehende nicht alleine lassen

Alleinerziehende brauchen nicht nur politische Erklärungen, sondern tatsächliche

Unterstützung im Alltag, aus der unmittelbaren Umgebung in der sie leben, von den

Unternehmen und Betrieben, in denen sie arbeiten – und von der Politik.

Die schwarz-gelbe Regierungskoalition hat keinen gesellschaftspolitischen

Gestaltungsanspruch. Ihr Programm erschöpft sich in einer klientelorientierten

Steuerpolitik, die die ohnehin Privilegierten in unserer Gesellschaft beschenkt und der

öffentlichen Hand die finanziellen Spielräume entzieht, die Bund, Länder und Kommunen

brauchen, um unsere Gesellschaft gerechter und lebenswerter zu machen und konkrete

Verbesserungen für die Menschen umzusetzen.

Für uns ist klar: Politik muss sich nach der Lebenswirklichkeit richten. Politik muss gute

Gesetze und gute Rahmenbedingungen für die Lebenswirklichkeit schaffen und nicht

umgekehrt. Alleinerziehende haben mehr Sorgen und Ängste vor Arbeitslosigkeit, Armut

und Einsamkeit als andere. Wir wollen sie nicht alleine lassen. Kein Kind, keine Familie

darf zurück bleiben.