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I. Zur Lage Drei Wochen vor der Landtagswahl
in Nordrhein-Westfalen hat sich die Stimmung eindeutig gegen Ministerpräsident
Rüttgers und seine schwarz-gelbe Koalition gewendet. Die Menschen
durchschauen seine Masche, nach außen soziale Betroffenheit vorzutäuschen und
die Lage der Kommunen zu beklagen, wo er doch selbst für eine
kommunalfeindliche Politik des Landes Verantwortung trägt. Sie durchschauen,
wie er sich von den in Berlin beschlossenen schwarz-gelben Steuerprivilegien
zu Lasten der Städte und Gemeinden distanziert, nachdem er sie selbst als
CDU-Vize und im Bundesrat mehrfach mitbeschlossen hat. Es ist an der Zeit,
Lug und Trug zur Rechenschaft zu ziehen. Wenn viele Menschen in NRW zur Wahl
gehen, ist Schwarz-Gelb in Düsseldorf am Ende. Hannelore Kraft kann die
schwarz-gelben Steuerpläne und die Kopfpauschale im Bundesrat stoppen. Das
Vertrauen in die Koalition sinkt. Ein Bündnis von SPD und Grünen mobilisiert
neue Hoffnung. Die nordrhein-westfälische SPD ist bereit. Der Politikwechsel
ist möglich. Wir kämpfen dafür, dass Hannelore Kraft Ministerpräsidentin von
Nordrhein-Westfalen wird, gestützt auf eine rot-grüne Mehrheit im Landtag. Sozialdemokratie und Grüne
haben eine gemeinsame Idee von der Modernisierung Deutschlands. Aus der Krise
endlich die Lehren zu ziehen, gehört dazu. Wir wollen eine
neue Wirtschaftspolitik und die Entwicklung eines nachhaltigen
Wachstumsmodells. Gemeinsam mit den Grünen wollen wir die Einrichtung
einer Fortschritts-Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages, zu deren
Aufgaben es zählt, über das BIP-Wachstum hinaus einen neuen
„Fortschritts-Indikator“ zu entwickeln, der Umweltgüter, Gesundheit, Bildung,
Qualität der Arbeit und soziale Sicherheit mit einbezieht. Uneinsichtig präsentiert sich
hingegen die FDP mit ihrem nochmals neu drapierten Steuermodell. Die FDP-Steuerpolitik
will jetzt fünf statt drei Stufen im Tarif, sie will ihn 2012 statt 2011
einführen, und er soll 16 Milliarden statt 24 Milliarden Euro kosten. Dieser
Rückzug auf Raten ist nicht glaubwürdig. Denn es bleibt bei der fundamentalen
Verantwortungslosigkeit und Ungerechtigkeit der Pläne: -
Die Kommunen müssten weitere Steuerausfälle in Milliardenhöhe hinnehmen.
Außerdem soll die Gewerbsteuer abgeschafft und den Kommunen damit die
Haupteinnahmequelle weggenommen werden. Stattdessen will die FDP ein
kommunales Hebesatzrecht bei der Einkommen- und Körperschaftssteuer.
Westerwelle forderte im Interview gar Hebesatzrechte der Kommunen bei der
Umsatzsteuer, aber da hat er sich wohl einmal wieder vergaloppiert. Fakt ist:
Die FDP will das, was sie den Unternehmen erlässt, von den Bürgern
zurückholen, durch kommunale Einkommenssteuererhöhungen. Hinzu kommen die
steigenden Gebühren und Preise für kommunale Leistungen. Am Ende „weniger
Netto“ für die meisten Menschen. -
Die Steuersenkungen nutzen den Besserverdienern in absoluter Steuerersparnis
am meisten. Wer am meisten verdient, bekommt auch am meisten hinzu. Von den
drohenden Gegenfinanzierungen durch Einschnitte und Belastungen an anderer
Stelle jedoch sind Gering- und Durchschnittsverdiener am stärksten betroffen.
- Auch die Einführung einer
Werbungskostenpauschale von 2 Prozent geht zu Lasten der Geringverdiener.
Heute können sie einen Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro im Jahr geltend
machen. Geht es nach der FDP, wird dieser Betrag erst ab einem
Jahreseinkommen von 46.000 Euro erreicht. Wer darunter liegt, verliert Geld. - Bei der
Unternehmensbesteuerung will die FDP eine grenzüberschreitende Gewinn- und
Verlustrechnung. Damit geht das bekannte Spiel der Steuerverlagerungen erst
richtig los. Verluste werden steuermindernd in Deutschland geltend gemacht,
hierzulande erzielte Gewinne aber im Ausland verrechnet. Die Steuerbasis
erodiert. Bei der Vorstellung des
Steuerkonzepts hat der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der FDP
Andreas Pinkwart ausdrücklich eingeräumt, dass zur Finanzierung dieses
Konzepts die Steuerfreiheit der Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und
Nachtarbeit gestrichen werden kann. Der Steuerexperte Hermann Otto Solms
schlug vor, dafür das Elterngeld wieder abzuschaffen. All das zeigt, was
Angela Merkels bestgehütetes Geheimnis ist: Nach der Landtagswahl in der NRW
sollen andere Seiten aufgezogen werden. Dann geht es den Bürgerinnen und
Bürgern ans Geld. Mit Vorlage der Frühjahrsprognose der
Wirtschaftsforschungsinstitute vergangene Woche hat das Versteckspiel ein
Ende. Die Aussicht einer nahezu stagnierenden Wirtschaft in 2010 und 2011
verheißt nichts Gutes für die Steuereinnahmen. In den ersten Monaten dieses
Jahres waren sie erneut rückläufig. Die Institute warnen vor
unverantwortlichen Steuersenkungen und sprechen bereits von den schärfsten
Sparnotwendigkeiten in der bundesdeutschen Geschichte. Wir fordern
Schwarz-Gelb auf: Sagt den Menschen heute, was ihr plant und wo gestrichen
werden soll. Macht den unwürdigen Hütchenspielertricks ein Ende, die dem
Bürger Gewinn versprechen, wo er am Ende sein Geld verliert. Wir geben in
dieser Woche jedem Bundestagsabgeordneten aus Nordrhein-Westfalen die
Gelegenheit, ehrlich und offen zu zeigen, ob er die Steuerfreiheit der
Zuschläge abschaffen will oder nicht. Unser Antrag zum Erhalt der steuerfreien
Zuschläge für Polizisten, Kranken-schwestern oder Industriearbeiter, die auf
Nachtschicht gehen, wird namentlich abgestimmt. Aus Afghanistan haben uns
in den letzten Tagen bittere Nachrichten erreicht. Sieben Soldaten haben im Einsatz ihr Leben
verloren, mehrere Soldaten wurden zum Teil schwer verletzt. Wir trauern um
die Opfer und sind in Gedanken bei ihren Familien, Angehörigen und Freunden.
Den Verletzten senden wir unsere besten Wünsche für eine baldige und
vollständige Genesung. Die Anschläge der vergangenen
Tage haben uns allen einmal mehr auf schreckliche Art vor Augen geführt, wie
gefährlich der Einsatz ist, in den wir unsere Soldatinnen und Soldaten
entsandt haben. Jede und jeder Einzelne, der in Afghanistan im Einsatz ist,
verdient unseren tiefen Dank und Respekt. Wir schulden den Soldatinnen und
Soldaten jede Unterstützung, die wir ihnen geben können. Wir dürfen und wir
wollen angesichts solcher Ereignisse nicht einfach zur Tagesordnung
übergehen. Wir wissen bereits seit
einigen Monaten, dass sich die Sicherheitslage vor allem in der Region um
Kunduz dramatisch verschärft hat. Darum und weil dieser Einsatz nicht ewig
weiter gehen kann, haben wir zu Beginn des Jahres eine neue Strategie für das
weitere deutsche Engagement in Afghanistan entwickelt und eine konkrete
Abzugsperspektive angemahnt. Der Abzug muss im kommenden Jahr beginnen. Und
er muss im Zeitfenster zwischen 2013 und 2015 beendet werden. Damit dieses
Ziel erreicht wird, müssen wir sehr genau beobachten, wie sich die Lage
weiter entwickelt und ob die Weichen von der Bundesregierung richtig gestellt
wurden. Deshalb haben wir bei der Verabschiedung des ISAF-Mandats Ende
Februar gefordert, eine unabhängige Evaluation des Afghanistan-Einsatzes in
Auftrag zu geben. Wir haben CDU/CSU, FDP und Grünen hierzu Ende März einen
ersten konkreten Vorschlag unterbreitet, über den jetzt zu reden sein wird. In dieser Woche tagt auch der
Untersuchungsausschuss zur Kunduz-Affäre mit dem Hauptzeugen zu
Guttenberg. Wir haben angesichts der voraussichtlich in dieser Woche
stattfindenden Trauerfeier für die in Afghanistan zu Tode gekommenen Soldaten
angeboten, die Vernehmung zu verschieben. Die Koalition und der Minister
haben dies abgelehnt. Weil das so ist, kann zu Guttenberg auch keine
Rücksicht erwarten. Nach der Vernehmung von Ex-Generalinspekteur Schneiderhan
und Ex-Staatssekretär Wichert vor Ostern sind die offenen Fragen nur noch
drängender geworden. Wie begründet zu Guttenberg das Hin und Her bei der
Bewertung des Luftangriffs von Kunduz im September 2009, obwohl ihm von
Anfang an mit dem NATO-Bericht nachweislich alle notwendigen Informationen
vorlagen? Warum mussten Schneiderhan und Wichert wirklich gehen? Und wer sagt
die Wahrheit über die tatsächlichen 5 Umstände der Entlassung? Das sind keine Petitessen.
Hier geht es um Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und Transparenz – Maßstäbe, die
zu Guttenberg für sich selbst und seine Amtsführung in Anspruch genommen hat.
In der Kunduz-Affäre hätte er beweisen können, dass es ihm damit ernst ist.
Bislang ist er diesen Beweis schuldig geblieben. Euer Holger Ortel |
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