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An die Mitglieder der SPD
in den Wahlkreisen Delmenhorst/Wesermarsch/Landkreis Oldenburgund
Cloppenburg/Vechta |
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Berlin, 24. Mai 2011 |
I. Zur Lage
Liebe Genossinnen und
Genossen,
die SPD hat in
Bremen einen überzeugenden Wahlsieg errungen. Mit Jens Böhrnsen an der Spitze, der wie kein
anderer das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger genießt, und mit einem
überzeugenden Profil bei den wahlentscheidenden Themen Gerechtigkeit,
Wirtschaft und Arbeit hat sich die regierende Sozialdemokratie durchgesetzt.
Im Jahr 2011 behauptet
sich die SPD in den Ländern und macht Boden gut. Unsere Gestaltungschancen
wachsen. In fünf von sieben Landtagswahlen haben wir die sozialdemokratische
Regierungsbeteiligung gesichert, in Baden-Württemberg und Hamburg die CDU aus dem
Amt gehoben. Wenn nun in Bremen sowohl SPD wie Grüne hinzugewinnen und Rot-Grün
61 % der Stimmen auf sich vereint, die CDU hingegen nach starken Verlusten nur
noch drittstärkste Partei wird und die FDP als Splitterpartei aus der
Bürgerschaft rutscht, dann ist das ein klares Signal. Schwarz-Gelb scheitert.
Die Merkel-CDU verliert die Großstädte – das gilt für Hamburg, für Bremen, für
Stuttgart und es wird im September in Berlin so sein. Nirgends zeigt sich der
Niedergang so dramatisch wie bei den Gruppen im berufsaktiven Alter: In Hamburg
wie in Bremen kommt die CDU bei den Bürgerinnen und Bürgern bis 60 Jahren nur
noch auf 14-18 %. Wir erleben also gerade in der Mitte der Gesellschaft das
Scheitern einer Strategie, die als konservative „Modernisierung“ verkauft wird.
Tatsache ist, dass Union und FDP ihren Identitätskern aufgegeben haben und
weder gemeinsam noch jeder für sich wissen, wer sie sind oder wofür sie stehen.
Eine solche Chaos-Koalition kann unserem Land keine Orientierung geben.
Das fällt bei den
großen Weichenstellungen ganz besonders auf.
In der entscheidenden
Phase der von uns vor einem Jahrzehnt begonnenen Energiewende erleidet die
Regierung Merkel Schiffbruch. CDU und CSU reden wirr, die FDP fällt aus. Die
Grünen wiederum sind so aufgeputscht von ihrem Bedeutungszuwachs, dass sie ohne
Rücksicht auf die Energiesicherheit einen symbolischen Wettlauf um das früheste
Datum des Doppelausstiegs aus Atom und Kohle anheizen.
Die SPD ist derzeit
der einzige politische Ort einer rationalen, vertrauenswürdigen und
zukunftsgerichteten Energiedebatte. Auf unserer Energiekonferenz vom
vergangenen Freitag haben Industrievertreter, Energieexperten und ökologische
Vordenker den konsensorientierten Dialog geführt.
Diesen Geist atmet
auch unser Programm zur Energiewende, das in 12 Grundsätzen und 50
Forderungen wie kein anderes politisches Dokument einen realistischen,
wirtschaftlich erfolgreichen, sozial gerechten und ökologisch ambitionierten
Weg weist. Deutschland kann bis 2020 ein Land ohne Atomkraft werden. Es muss
dabei seine Leistungsfähigkeit als Industrie- und Infrastrukturland steigern.
Dazu gehören fossile Energieträger als Brücke in eine hundertprozentige
Versorgung mit Erneuerbaren Energien. Wir wollen, dass auch in Hochlastphasen
mit weniger Atomkraftwerken eine gesicherte Versorgung für alle Verbraucher und
für alle sensiblen Produktionsanlagen möglich ist. Moderne Wirtschaft im 21.
Jahrhundert ist energie- und rohstoffeffiziente Wirtschaft. Hier werden künftig
Kostenvorteile und Wettbewerbsfähigkeit errungen. Deutschland kann dabei
international Vorreiter, kann politischer Impulsgeber und Technologielieferant
werden. Die im Zuge der Energiewende mobilisierten Investitionen von
Privatwirtschaft und öffentlicher Hand können zu einem nachhaltig wirkenden
Wirtschafts- und Beschäftigungsprogramm werden, das hochwertige Arbeit in
Industrie und bei Dienstleistungen schafft. Wir zeigen, dass die Energiewende,
wenn sie die Gesellschaft nicht zerreißen soll, von einem erneuerten
Sozialvertrag getragen werden muss. Im Grundsatz wollen wir durch die
Investitionen von heute die Kostenentlastungen von morgen ermöglichen, denn
steigende Effizienz heißt sinkender Verbrauch. Auf dem Weg dorthin dürfen
einkommensschwache Haushalte nicht überfordert werden. Vor allem wollen wir
auch ihnen über einen Energieeffizienzfonds die Mittel bereitstellen, um
preiswirksame Einsparungen zu schaffen.
Die Bundesregierung
muss in den kommenden Wochen ihre Vorstellungen vorlegen. Sie muss eine
rechtssichere Abschaltung der Altmeiler gewährleisten, denn das so genannte
„Moratorium“ läuft im Juni aus. Die Regierung muss die ergebnisoffene Suche
eines sicheren Endlagers für Atommüll ermöglichen.
Sie muss ein
ausgewogenes Verhältnis bei der Förderung von Offshore- und Onshore-Windkraft
herstellen. Sie muss beim erforderlichen Netzausbau die Interessen der Länder
wahren und einen tragfähigen Netzausbaukonsens anbieten. Diese und andere
Fragen sollen mit den Ministerpräsidenten am 3. Juni beraten und vom
Bundeskabinett am 6. Juni entschieden werden. Wir werden in Abstimmung mit den
SPD-regierten Ländern sorgfältig prüfen, was die Regierung vorlegt und ob es
den Anforderungen einer wirklichen Energiewende genügt.
In
den kommenden Wochen und Monaten wird es nicht zuletzt darum gehen, ob Merkel
in den grundlegenden politischen Richtungsfragen noch eine eigene Mehrheit hat.
Im Bundesrat hat Schwarz-Gelb die Mehrheit verloren. In den Ländern erodiert
die Macht. Im Bundestag kommen immer mehr Unzufriedene und Abweichler der
Koalitionsfraktionen aus der Deckung.
Die Schuldenkrise
in der Eurozone weckt populistische Bewegungen, die den Wert der
europäischen Einheit grundsätzlich attackieren. Es ist die Zeit für Vernunft,
für Aufklärung über die Krisenursachen und für Gerechtigkeit bei der Bewältigung
der Krisenlasten. Merkel aber redet mit gespaltener Zunge, zeigt in Brüssel ein
europafreundliches Gesicht, bedient sich in Deutschland hingegen populistischer
Stammtischparolen. Den griechischen Arbeitnehmern vorzuwerfen, sie arbeiteten
nicht genug, ist schlichter Unsinn. Weder gehen die Griechen im Durchschnitt
früher in Rente als die Deutschen noch haben die griechischen Arbeitnehmer mehr
Urlaubstage als ihre deutschen Kollegen. Wer wie Merkel die
Schulden-Rezessions-Spirale, unter der Griechenland leidet, mit solchen
Sprüchen beantwortet, macht sich zum Stichwortgeber der Europafeinde. Merkel
vernebelt damit die Tatsache, dass ihr Ansatz bei den Rettungsschirmen für
Griechenland und die Eurozone von Anfang an zu schmal und zum Scheitern
verurteilt war.
Die fehlende
Beteiligung der Finanzmärkte über eine Finanztransaktionssteuer, die fehlende
Beteiligung der Gläubiger über Zinsabschläge im Gegenzug zur staatlichen
Gewährleistung der Kredite, die heillose Verbindung aus steigender Zinslast und
Spardiktat, das Investitionen in die Realwirtschaft erlahmen lässt, die
griechische Konjunktur abwürgt und die Erholung aus eigener Kraft blockiert –
an diesen Problemen ist Merkel gescheitert.
Wir bringen unsere
Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer in der nächsten Sitzungswoche
Anfang Juni ins Plenum ein. Wir tun dies in Abstimmung mit den französischen
Sozialisten, die eine Initiative für diese Steuer in der Nationalversammlung
zur Debatte stellen. Europa braucht jetzt koordinierte Aktion.
Gescheitert ist Merkel
an ihrer Mutlosigkeit. Sie hat nicht zuletzt zugelassen, dass die EZB in einer
Notoperation Schuldtitel aufkauft und damit zur Bad Bank Europas geworden ist,
anstatt eine offene Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen der
Gemeinschaftshaftung für Schulden zu führen.
All dies zeigt die
Perspektivlosigkeit ihrer Europapolitik.
Wenn Merkel nun
billige Vorurteile gegen schwächere Eurostaaten schürt, versagt sie schließlich
auch in ihrer Führungsaufgabe gegenüber den Koalitionsfraktionen. Mit Vernebelung
und Populismus wird sie ihre Mehrheit im Parlament nicht stärken, sondern aufs
Spiel setzen. Was die FDP auf ihrem Bundesparteitag jüngst gefordert hat, macht
eine Zustimmung der Partei zum Europäischen Stabilitätsmechanismus eigentlich
unmöglich: Er solle nicht dauerhaft sein, er solle eine
Gemeinschaftshaftung für Schulden, die es de facto längst gibt, ausschließen.
Eines ist klar: Die Regierung Merkel muss in der Europapolitik unabhängig von
der SPD ihre Kanzlermehrheit aufbringen.
Steht das in Zweifel,
kann diese Regierung nicht einfach weitermachen, als sei nichts gewesen.
Euer
Holger
Ortel
II. Zur Woche
Bundeswahlgesetz
ändern
Das
Bundesverfassungsgericht hat das negative Stimmgewicht für verfassungswidrig
erklärt, durch das sich die Zweitstimme eines Wählers negativ auf die
Mandatsverteilung der von ihm gewählten Partei auswirkt. Auch die steigende
Zahl von Überhangmandaten verfälscht das Verhältniswahlrecht zunehmend.
Überhangmandate können sogar eine Regierungsmehrheit ermöglichen, die sich
nicht auf eine Zweitstimmen-Mehrheit stützt. Und schließlich kann das
ersatzlose Ausscheiden jedes direkt gewählten Abgeordneten aus einem
„Überhangland“ zu einem Mehrheitswechsel während der Wahlperiode oder zu einem
Rückwechsel führen. Unser Gesetzentwurf sieht vor, Ausgleichsmandate für
Überhangmandate einzuführen. Die Zahl der Abgeordneten würde dadurch soweit
angepasst, dass Überhangmandate im Verhältnis der Parteien zueinander
vollständig ausgeglichen werden. Des Weiteren schlagen wir die Wiederbesetzung
aller frei werdenden Mandate durch Listennachfolger vor. Nachwahlen wollen wir
auf ihren unvermeidlichen Umfang beschränken, indem an die Stelle eines vor der
Wahl wegfallenden Wahlkreisbewerbers der erste Landeslistenkandidat tritt, der
sich nicht in einem Wahlkreis bewirbt.
Teilhabe Älterer am
Arbeitsleben ermöglichen
Die Anhebung des
Renteneintrittsalters ist angesichts der Veränderungen in der Arbeitswelt und
des Altersaufbaus unserer Gesellschaft sozial- und wirtschaftspolitisch notwendig.
Wir wollen die stufenweise Anhebung des Eintrittsalters in die Regelaltersrente
auf 67 Jahre. Der Einführungszeitpunkt muss jedoch von der Entwicklung der
Arbeitsmarktlage und der wirtschaftlichen und sozialen Situation älterer
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abhängig gemacht werden. Dies wurde in der
Überprüfungsklausel des Rentenanpassungsgesetzes festgelegt. Die
Beschäftigungsquote Älterer hat sich in vergangenen Jahren verbessert. Aus
unserer Sicht sind jedoch die Bedingungen noch nicht erfüllt, um 2012 mit der
Anhebung zu beginnen. Erst nach Vorlage des nächsten Regierungsberichts 2014
soll erneut über eine Einführung entschieden werden. In unserem Antrag fordern
wir die Regierung zur Erarbeitung eines Gesamtkonzepts auf, das die nötigen
Voraussetzungen für die Anhebung der Regelaltersgrenze schafft. Der für 2012
vorgesehene Einstieg in die Erhöhung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre sowie
der vorgezogenen Altersrenten muss ausgesetzt werden. Er kann erst erfolgen,
wenn die rentennahen Jahrgänge mehrheitlich sozialversicherungspflichtig
beschäftigt sind und der Übergang aus dem Erwerbsleben in eine abschlagsfreie
Rente zur Regel wird. Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und steigende
Fachkräftenachfrage sind eine Chance. Die Beschäftigung Älterer kann und muss
erhöht werden. Dadurch soll die gesetzliche Rente als Grundlage der
Altersvorsorge gestärkt, Altersarmut verringert und ein fairer Ausgleich
zwischen den Generationen geschaffen werden. Dies muss einhergehen mit einer
Humanisierung der Arbeitswelt und der Förderung sozialversicherungspflichtiger
Normalarbeitsverhältnisse und Weiterbildungsmöglichkeiten über das gesamte
Erwerbsleben hinweg. Schließlich müssen leistungsgeminderte Beschäftigte besser
geschützt und der Altersübergang flexibler gestaltet werden.
Enquête-Kommission
„Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ erweitern
Bei
der Benennung der Sachverständigen für die Enquête-Kommission „Wachstum,
Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und
gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft“ haben alle
Bundestagsfraktionen ausschließlich männliche Sachverständige benannt. Dies
spiegelt weder die gesellschaftlichen Verhältnisse wider, noch bindet es die
Kompetenzen, Erfahrungen und Sichtweisen von Expertinnen ein. In einem
Gruppenantrag fordern wir die Regierung dazu auf, acht zusätzliche weibliche
Sachverständige in die Kommission zu berufen. Die Fraktion der CDU/CSU soll
dabei drei, die Fraktion der SPD zwei, die Fraktionen von FDP, Die Linke und
Bündnis90/Die Grünen jeweils eine Sachverständige benennen. Bei künftigen
Einsetzungen von Enquête-Kommissionen ist die Sachverständigenseite
entsprechend mit Frauen und Männern zu besetzen.
Korruption im
Gesundheitswesen bekämpfen
Durch Korruption,
Abrechnungsbetrug und Falschabrechnung verlieren die gesetzlichen Krankenkassen
jährlich zwischen fünf und 18 Milliarden Euro. Neben dem finanziellen Schaden
entstehen für Patientinnen und Patienten Nachteile bei der Behandlung, die
lebensgefährlich sein können. Angesichts der anstehenden
Beitragssatzsteigerungen und Kopfpauschalen erneuern wir unseren Vorstoß der
letzten Wahlperiode, um die Verschwendung von Beitragsmitteln wirksam zu
bekämpfen. Unser Antrag fordert die Regierung auf, Korruptionshandlungen
niedergelassener Vertragsärzte als Straftatbestände einzustufen. Systematische
Falschabrechnungen von Krankenhäusern müssen sanktioniert werden. Die
Verfolgung von Korruption im Gesundheitswesen soll mit Hilfe der Länder
effizienter werden; unter anderem durch die Einrichtung von
Schwerpunktstaatsanwaltschaften. Das Vermögen und die Stellung der gesetzlichen
Krankenversicherung und der Patientinnen und Patienten sind zu schützen.
Klagen gegen
Kinderlärm verhindern
Kinderlärm
gehört zum Leben und kann nicht mit Verkehrs- oder Industrielärm gleichgesetzt
werden. In der Vergangenheit haben Anwohner wegen Kinderlärm gegen
Kindertageseinrichtungen und Baugenehmigungen geklagt und in Einzelfällen die
Schließung dieser Einrichtungen erreicht. Wir fordern die Regierung in unserem
Antrag dazu auf, ein politisches Signal für eine kinderfreundliche Gesellschaft
zu geben und gesetzliche Regelungen zur Einordnung von Kinderlärm zu schaffen.
Das Bundes-Immissionsschutzgesetz soll dahingehend ergänzt werden, dass
Kinderlärm in der Regel keine schädliche Umwelteinwirkung darstellt. Auch im
Bürgerlichen Gesetzbuch muss dies klargestellt werden, um Rechtssicherheit und
Rechtsklarheit zu gewährleisten. Weder Beeinträchtigungen des Eigentums noch
der Mietsache sollen aufgrund von Kinderlärm geltend gemacht werden dürfen. In
der Baunutzungsverordnung müssen Kindertageseinrichtungen auch in reinen
Wohnungsgebieten zulässig sein. Schließlich muss die Regierung prüfen,
inwieweit Klagen gegen Kinderlärm schon im Vorfeld unterbunden werden können, bspw.
durch die Einplanung von Spielflächen im Städtebau.
Straßenverkehr
sicherer machen
Mobilität ist eine
wichtige Voraussetzung für Fortschritt, Wohlstand, Wachstum und Beschäftigung.
Integrierte Verkehrspolitik zielt darauf ab, Mobilität so sicher, umweltfreundlich
und sozial gerecht wie möglich zu gestalten. Dabei muss die Verkehrssicherheit
eine hohe Priorität haben. Sie muss finanziell abgesichert sein und den
aktuellen gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen Rechnung tragen.
Ehrenamtliche Arbeit in diesem Bereich soll öffentlich anerkannt und
unterstützt werden. In unserem Antrag fordern wir die Regierung auf, die
Verkehrssicherheit durch eine Reihe von Maßnahmen zu stärken. Die
Öffentlichkeitsarbeit für Verkehrsregeln soll vor allem in Kindergärten und
Schulen intensiviert werden. Alkoholmissbrauch im Straßenverkehr muss weiter
reduziert werden. Moderne Technologien zur Unfallvermeidung sind zu fördern.
Die Wirksamkeit straßenverkehrsrechtlicher Maßnahmen soll durch eine erhöhte
Kontrolldichte sicher gestellt werden. Gemeinsam mit Ländern und Gemeinden soll
ein komplettes Radwegnetz sowie ein hindernisfreies und altengerechtes Wegenetz
in Ortschaften geschaffen werden. Auch ist die Einführung einer
Geschwindigkeitsbegrenzung für Fahranfängerinnen und Fahranfänger zu prüfen.
Zudem bedarf die Fahrlehrer- und Fahrlehrerinnenausbildung einer
Modernisierung. Die finanzielle Unterstützung der Verkehrssicherheitsarbeit,
besonders des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) und der Deutschen Verkehrswacht
(DVW) soll mindestens auf dem bisherigen Niveau fortgeführt werden. Auf
europäischer Ebene fordern wir die Regierung auf, sich dafür einzusetzen, dass
einheitliche Kriterien für bestimmte Reifenarten festgelegt werden.
Altschulden der
Wohnungsunternehmen in den neuen Ländern regeln
Im Zuge der deutschen
Einheit wurden DDR-Staatskredite für den Wohnungsbau in marktwirtschaftliche
Kredite umgewandelt, die von den Wohnungsunternehmen in den neuen Ländern
abzulösen waren. Die Altschuldenhilfe wurde geschaffen, um Wohnungsunternehmen
zu entlasten, die durch Leerstand existentiell gefährdet sind. Sie ist ein
wesentliches Element des Stadtumbaus und ermöglicht den Rückbau von Wohnungen
sowie die Aufwertung von Stadtquartieren in den neuen Ländern. In unserem
Antrag fordern wir die Regierung dazu auf, das bisher Geleistete fortzusetzen.
Dafür müssen die finanziellen Mittel für den Abriss und Umbau von Wohnungen und
die Aufwertung von Wohnquartieren mit den Ländern abgestimmt werden. Auch über
eine Modifizierung der Verwaltungsvereinbarung zum Stadtumbau Ost muss die
Regierung mit den Ländern verhandeln. Eine abschließende Regelung zu den
Altschulden von Wohnungsunternehmen soll vorgelegt werden. Weitere
Möglichkeiten der Finanzierung der Städtebauförderung aus Förderprogrammen des
Bundes sind zu prüfen. Die Wohnungsunternehmen mit Altschuldenlast sollen bei
der energetischen oder altersgerechten Sanierung ihrer Wohnungen unterstützt
werden.
Verpackungsverordnung
neu regeln
Bei der Neuausrichtung
der Abfallverwertung für mehr Ressourceneffizienz und Klimaschutz ist die
Verpackungsordnung zentral. Mit der fünften Novelle der Verpackungsverordnung
ist die Durchführung eines Planspieles vereinbart worden, um die Folgen der
Novelle einzuschätzen und Möglichkeiten zur grundlegenden Veränderung des
Systems zu prüfen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit hat sich bereits vor Beginn des Planspiels auf zwei Modelle
festgelegt und damit andere Optionen zur künftigen Organisation und Finanzierung
der Verpackungsentsorgung von vornherein ausgeschlossen. Bis zum Jahresende
will das Ministerium Eckpunkte einer zukünftigen Regelung vorlegen. Weder der
Deutsche Bundestag noch der zuständige Ausschuss sollen dabei informiert
werden. Wir fordern in unserem Antrag die Regierung dazu auf, im Rahmen des
derzeit laufenden Planspieles alle vorgeschlagenen Modelle zur Ausgestaltung
der Wertstofftonne und zur Weiterentwicklung der Verpackungsverordnung zu
berücksichtigen. Außerdem müssen die Ergebnisse des Planspiels im zuständigen
Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vorgestellt und eine
gemeinsame Diskussion mit Planspielteilnehmern und dem Unterausschuss
Kommunales ermöglicht werden.
OECD-Leitsätze für
internationale Unternehmen überprüfen
Die OECD-Leitsätze für
multinationale Unternehmen sind das wichtigste Instrument zur Stärkung der
globalen Unternehmensverantwortung. Sie machen Vorgaben zu Arbeits- und
Sozialstandards, Umwelt- und Verbraucherschutz, sowie Korruptionsbekämpfung und
Steuerehrlichkeit. Diese sind für OECD-Mitglieds- und Unterstützerstaaten
verbindlich und für Unternehmen freiwillig. Bis Juni dieses Jahres werden die
Leitsätze überarbeitet. Dies bietet die Chance, sie zu einem wirksameren
Instrument weiter zu entwickeln. Daher fordern wir in unserem Antrag die
Regierung dazu auf, dass bei der Überarbeitung die Menschenrechte ein größeres
Gewicht erhalten. Die Einhaltung von Menschenrechten muss für unternehmerisches
Handeln verpflichtend sein. Zudem müssen die Leitsätze auch für
Zulieferbetriebe gelten. Die Umsetzung der Ziele durch die nationalen
Kontaktstellen muss vereinheitlicht werden. Schließlich fordern wir einen
Sanktionsmechanismus bei Verstoß gegen die Leitsätze wie bspw. einen
zeitweiligen Ausschluss von Exportgarantien sowie länderbezogene
Rechnungspflichten.
Die deutsche
UN-Millenniumkampagne fortführen
Die
deutsche UN-Millenniumkampagne leistet seit 2005 bundesweit und gemeinsam mit
Ländern und Kommunen wichtige Aufklärungsarbeit für die Erreichung der UN-Millennium-Entwicklungsziele
bis 2015. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung hat nun angekündigt, seine finanzielle Unterstützung zum 30. Juni
2011 einzustellen. Damit die deutsche Öffentlichkeit weiter über die Bedeutung
der Ziele und ihre Umsetzung informiert wird, fordern wir die Regierung in
unserem Antrag auf, die Grundfinanzierung sowie die Mittel für eine Fortsetzung
der UN-Millenniumkampagne bis 2015 sicher zu stellen.